Nicht russische oder chinesische Diktaturen
In
der deutschen Amerika-Publizistik gibt es schon seit dem 19.
Jahrhundert eine Konstante. Dem Land der Freiheit seine Doppelmoral und
kulturelle Rückständigkeit vorzuwerfen. So hetzen die Nationalisten,
Antisemiten und die linken Sozialisten in Deutschland. Das änderte sich
nur wenig nach dem Zweiten Weltkrieg, aber das blieb nur von kurzer
Dauer. Mit dem Vietnamkrieg wurden die Vereinigten Staaten gerade in der
Perspektive vieler Linken und Kommunisten wieder zu einem Staat über
den man viel zu sagen hatte, aber selten etwas Gutes. Außer natürlich,
wenn es gerade nicht um die weitgehende Übernahme des amerikanischen
Lebensstils gegangen sein sollte. Linke Antiamerikaner waren immer
amerikanisch sozialisiert. Es hatte damit ein Rollentausch
stattgefunden, weil der Antiamerikanismus bis 1945 vor allem im
Nationalisten Lager zu finden war. Das wurde aber nach 1945 zum
wichtigsten Unterstützer des transatlantischen Bündnisses. Und die
Linken - gesteuert in Westdeutschland von der Stasi und der DDR -
hetzten gegen den US-Kapitalismus und gegen die US-Juden. ...
Heute
Medien in Deutschland sehen den demokratischen Präsidentschaftskandidat
Joe Biden im „Kampf gegen die Finsternis“. Die hätte der frühere
Präsident Ronald Reagan zweifellos noch in der damaligen Sowjetunion
vermutet, unter lebhaften Protest der westdeutschen linken Presse. ...
Die
linke Leiterin des ARD-Studios in New York sieht den derzeitigen
Präsidenten in einem fundamentalen Gegensatz zu den amerikanischen
Werten. Diese erfreuen sich einer erstaunlichen Renaissance.
Linksradikale Deutsche riefen früher auf ihren Demonstrationen „USA, SA,
SS“, um ihr Verständnis des amerikanischen Wertesystems auszudrücken.
Heute gilt der Faschismus-Vorwurf nicht mehr dem Land, sondern nur noch
ihrem Präsidenten. Vergessen wird dabei, dass Deutschland zwei blutige
Diktaturen erschaffen hat - rot und braun.
(Siehe FAZ)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen