Donnerstag, 27. August 2020

26.08.2020 - Antwort 2 (JDU)

Mittwoch, 26.08.2020
Heilbronner Stimme
Redaktion – Bettina Hachenberg

Sehr geehrte Frau Hachenberg,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort auf meinen zu langen Brief. Da haben Sie mir Recht. Tut mir leid.

Sie schreiben:

„Sie (die Geschwister Scholl) haben als junge Menschen erkannt, wie verbrecherisch das Naziregime ist und haben mutig und aktiv Widerstand geleistet, wissend, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten.“

Genau das haben die Geschwister Scholl aber nicht erkannt.
Sie waren von 1933 bis 1939 glühende Nazis – und hatten das Dritte Reich verteidigt, keine Widerstand geleistet.
Nicht 1933, 1934, 1936 oder 1938 oder 1939 gab es keinen Widerstand der Geschwister, weder aktiv noch passiv..

Die Wende bei den Geschwistern kam erst 1940 in München (Studium), im Soldatendasein und mit dem Beginn des Krieges.

Die Geschwister Scholl haben auch nicht „mutig und aktiv Widerstand geleistet“.
Wahrlich nicht. Sie haben lediglich Flugblätter verteilt – einer brutalen und blutigen Diktatur
(Siehe auch der wichtige Arte-Film über den „Röhm-Putsch“ gestern, Titel  „Durch Mord zur absoluten Macht - Hitler dezimiert die SA“)

Die Festigung der deutschen Nazi-Diktatur im Jahr 1934 durch die Unterstützung der deutschen Konservativen.
Die Geschwister Scholl habe dazu kaum etwas gesagt –
aber sie waren einverstanden mit  Adolf Hitler als Jurist und erster Richter Deutschlands, etc.

Die Taten der Geschwister Scholl waren kein aktiver Widerstand im Dritten Reich, sondern ein gewisse „Studenten-Tat“
mit einem tragischen Ende. Nach dem Motto: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“.
Oder nach dem Motto „Am deutschen Scholl-Wesen, soll die deutsche Nazi-Diktatur genesen“.
Also völlig unpolitisch – und ein sehr naiv..
Und sehr dumm.

Widerstand im Dritten Reich sah völlig  anders aus. Im Zuchthaus, KZ, auf der Guillotine, etc.
Sie als Journalistin wissen was ich meine.

„… wissend, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten…“
Genau das wussten die Geschwister Scholl sehr genau.
Nach 1934 oder seit der Juden-Verfolgung 1936  oder die Schwulen-Verfolgung seit 1937.
Aber die Geschwister Scholl haben zunächst in ihrem „Nazi-Idealismus“ - und später dann im „Heilige-Deutschland-Idealismus“ offenbar verdrängt

Hans Scholl mag auch darauf spekuliert haben, wie 1937 bei seinem Homosexuellen-Prozess von einem Wehrmacht-Gericht, nur mit eine Art Rüge zu wegzukommen.
Der spießige Uni-Hausmeister war halt jedoch „treudeutsch“ - und meldete an der entscheidenden Nazi-Stelle.
Denunzieren nennt man das heute noch.

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“
(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Das war in beiden deutschen Diktaturen immer so – Drittes Reich und DDR.
Es gibt heute wieder politische Verbrecher und charakterlose Lumpen („braun- und rotlackierte Nazis“), auch Journalisten,
die gern denunzieren.
Dazu die Bemerkung von Maxim Biller in der NZZ unten*.

Mit freundlichen

Jürgen Dieter Ueckert
Pfühlstraße 20

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Mobil                   0170 – 32 48 122
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*Bemerkungen von Maxim Biller, der deutsch-jüdische Schriftsteller in seiem NZZ-Interview zum Thema „Linksrechtsdeutschen“, zu denen ich in Ihrer Argumentation zähle, Linksrechts-Leute, die nicht unterscheiden können zwischen „die militaristische Kriegsverbrecherbande um Stauffenberg als Widerstandshelden feierte“ oder „die Geschwister Scholl als glühende Nazis/ rechte Anhänger des heiligen Deutschlands“ (Interview Text siehe oben) - Zitat:
NZZ: Ich denke schon. Sie haben für diesen Zwiespalt einen neuen Begriff geprägt: den Linksrechtsdeutschen.
Biller: Frank Schirrmacher, einer der letzten grossen Feuilleton-Macher, war so einer. Verstehen Sie mich nicht falsch – ich habe Frank Schirrmacher immer geachtet. Obwohl wir uns nicht wirklich mochten, nicht einmal gegrüsst haben, liess er mich in der «FAZ» schreiben. Damit zeigte er eine Grösse, die im heutigen Betrieb oft fehlt. Doch als Marcel Reich-Ranicki 2013 gestorben war, schrieb Frank Schirrmacher in seinem Nachruf auf den von ihm so bewunderten Kollegen: «Einen wie ihn werden wir nicht wiedersehen.» Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht. Hat Schirrmacher Reich-Ranickis Tod nur betrauert – oder hat er zugleich gedacht und geschrieben: Super, toll, jetzt sind wir den letzten Weimarer Juden los? Ganz schön ambivalent, nicht wahr? Und ich will gar nicht von seinen Anfällen von reaktionärem Tourette reden, wenn er die militaristische Kriegsverbrecherbande um Stauffenberg als Widerstandshelden feierte oder das menschliche Leid der Nazi-Elite im Hitler-Bunker im Eichinger-Film «Der Untergang» publizistisch nachfühlte.
NZZ: Das dünkt mich, ehrlich gesagt, eine sehr forcierte Interpretation von Schirrmachers spätem Wirken. Sie beschreiben den Linksrechtsdeutschen in Ihrem Essay «Sind Sie auch ein Linksrechtsdeutscher?» allgemeiner als einen scheinheiligen Typus, der einerseits ein schuldbewusstes, westliches Leben «zwischen Biomarkt, Amazon Prime und Kita-Elterngruppe führt» und anderseits «seinen geliebten Grossvater zurückhaben will und mit ihm auch irgendwie die reaktionäre Deutung der Geschichte».
Biller: Die meisten Deutschen tun links und fühlen rechts. Ja, sie sind durch ihre ganze traurige Untertanen-Geschichte dazu verdammt, linksrechts zu sein, das heisst: unterdrückt, aber nicht wirklich frei zu sein und darum die Freiheit anderer zu verachten. Die Juden haben ihnen, als sie im 18. und 19. Jahrhundert aus den Ghettos herauskamen und das Gute der Aufklärung mit dem Guten der jüdischen Tradition verbanden, die Möglichkeit gegeben, aus dieser politischen und moralischen Sackgasse herauszukommen. Aber die meisten Deutschen wollten das gar nicht, sie haben diese grosse historische Chance nicht genutzt und seit Richard Wagner und Paul de Lagarde immer wieder gehofft, sie könnten die Juden wieder loswerden. Ein nuschelnder Maler aus Österreich hat dann fast den Job für sie erledigt. Ich glaube, das finden heute auch viele von denen, die sich für anständige Leute halten, trotzdem gut, siehe Schirrmachers schwammigen Reich-Ranicki-Nachruf. Die extreme Mitte aber, zu der ich mich zähle, müssen Sie in Deutschland mit der Lupe suchen. Der radikale Aufklärer existiert hier praktisch nicht, und ich würde mir wünschen, dass die anderen – egal, ob Juden, Russen oder Türken – sich dieser extremen Mitte anschliessen, die humanistisch und universell denkt und sich weder von den Linksrechtsdeutschen noch von den Rechtsnationalen vereinnahmen lässt. Dafür gibt es aber im Moment keine publizistische Plattform, keinen neuen «Merkur», kein neues «Tempo», keine alte «Weltwoche», wo man das alles hineinschreiben könnte. Eine solche Zeitschrift muss noch gegründet werden.
NZZ: Nicht klagen, machen – gründen Sie sie!
Biller: Ich bin Schriftsteller, kein Blattmacher. Aber ich hätte für die Leute, die das hoffentlich bald machen, ein paar interessante Ideen und Namen. …

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