Die Irren Gottes in Frankreich
Es bedurfte nicht erst der Messerattacke in Dresden Anfang Oktober, in der ein junger Syrer einen Mann erstach und einen zweiten schwer verletzte, um zu einer wichtigen Erkenntnis zu kommen. Schon seit Langem wissen wir: Der Westen wird von den islamischen Fundamentalisten verabscheut, nicht weil er Muslime unterdrückt, sondern weil er sie befreit. Der wahre Motor des Islamismus ist nicht die pedantische Beachtung des Korans oder sonstiger heiliger Schriften, sondern die Furcht vor der Freiheit, die in Europa herrscht. Gegen diese kämpfen die „Irren Gottes“, wie sie der französische Philosoph Pascal Bruckner nennt.
Im Fall des Syrers in Dresden störte dieser sich daran, dass seine Opfer homosexuell waren. Sie nahmen sich die Freiheit, Hand in Hand durch die Stadt zu gehen. Es hätten auch andere Anlässe sein können, um den „Irren Gottes“ zum Morden zu bewegen: eine leicht bekleidete Frau oder eine Gruppe jüdischer Religionsstudenten. Lassen sich die Islamisten zähmen? Die bisherigen Erfahrungen zeichnen ein düsteres Bild. So muss man auf andere Weise gegen sie vorgehen.
Wo es Möglichkeiten gibt, sie abzuschieben, müssen sie ergriffen werden. Es ist von daher nur zu begrüßen, dass sich die deutschen Innenminister dem Vorstoß von Bundesinnenminister Horst Seehofer mehrheitlich angeschlossen haben, Gefährder auch wieder nach Syrien abzuschieben, wenn sie aus dieser Region stammen. Es kann nicht sein, dass wahnhafte und gewaltbereite Menschen, die als Asylsuchende einen Gaststatus in Deutschland genießen, versuchen, aus Europa ein Regime zu machen, dem sie entflohen sind.
Herrscht in Syrien nicht ein Bürgerkrieg? Die Antwort darauf ist nicht eindeutig: In einigen Regionen ist dies der Fall, in vielen anderen nicht. Ist Syrien eine Diktatur? Ja, das ist es. Aber wollte man gewaltbereite Islamisten und brutalste Gefährder künftig nur noch in arabische Demokratien abschieben, dann müssten wir die nächsten 500 Jahre mit diesen Leuten im Land leben. „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ ist ein Grundsatz, nach dem die Bundesrepublik und ihre jeweiligen Regierungen vorgingen. Er gilt für Rechts- und Linksextreme genauso wie für Islamisten. Ein Grundsatz kommt hinzu: Wer keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und hier schwere Verbrechen begeht oder sie plant, der hat hierzulande nichts zu suchen. Horst Seehofer folgt diesem Grundsatz. Er mehrt damit nicht nur die Sicherheit in diesem Land, sondern auch das Vertrauen der Menschen in die freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Was den Tag heute bestimmt, darüber berichtet für Sie jetzt aus dem WELT-Newsroom meine Kollegin Judith Mischke.
Jacques Schuster
WELT-Chefkommentator
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