NS-Vergangenheit im „Handelsblatt“-Verlag
Das „Handelsblatt“ gehört zur Holtzbrinck-Gruppe. Deren Stammvater, Georg von Holtzbrinck, stieß, wie Georg Berger, 1931 zu den Nationalsozialisten und war bis 1945 durchgehend NS-Mitglied und -Profiteur. Ihm zu Ehren verleihen seine Nachfahren seit Jahren je einen Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalismus, obwohl die profitable NS-Vergangenheit ihres Wohlstandsbegründers 2008 in einem Buch aufgearbeitet wurde.
Trotzdem nahm der Leiter der „Handelsblatt“-Recherchen 2011 den nach diesem NS-treuen Dauerprofiteur benannten Preis an. Er erhielt 2013 auch den Henri-Nannen-Preis, für den er und sein Team 2020 wegen des Berger-Artikels nominiert wurden. Benannt ist dieser Preis nach dem langjährigen Herausgeber und Chefredakteur des „Stern“, Henri Nannen. Im Dritten Reich betrieb er in der SS-Standarte Kurt Eggers NS-Kriegspropaganda.
Ein dreifaches Fazit ist zu ziehen. Erstens: Die Benennung mancher Journalistenpreise sollte künftig den viel zitierten „europäischen Werten“ entsprechen. Zweitens: Preisträger sollten prüfen, ob sie sich mit dem Namensgeber des Preises identifizieren können oder wollen. Drittens: Bevor eine Jury Investigationspreise vergibt, sollte sie selbst die Qualität und Solidität der nominierten Texte prüfen. Sonst wird es nichts mit der Stärkung des Qualitätsjournalismus.
(WELT)
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