Sonntag, 1. November 2020

31.10.2020 - Kirchen verstecken sich

Um den «Islam» wird ein Bogen gemacht

Wenn Kardinal Marx und Herr Bedford-Strohm vor Eintritt in eine Moschee in Jerusalem ihr Kreuz ablegen, verwundert dieses Verhalten nicht. Es kann nur noch Klartext geredet werden, aber im neuen Deutschland läuft man blind dem linken Mainstream hinterher. Lieber ein Rettungsschiff kaufen als sich um Seelsorge zu kümmern. Diese Realitätsverweigerung führt die Kirchen in die Bedeutungslosigkeit.

Um Probleme lösen zu können, muss man sie benennen. Diese Bereitschaft bringen die Kirchen nicht auf. Sie flüchten sich ins wolkig Unverbindliche. Politiker haben insofern dazugelernt, als die Mutter aller rhetorischen Beruhigungspillen, die Aussage, islamistische Attentate hätten nichts mit dem Islam zu tun, heute kaum noch zu hören ist. Bundesaussenminister Heiko Maas benannte das Offensichtliche und schrieb: «Radikaler Islamismus tötet und darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.» Auch die Berliner Staatssekretärin mit palästinensischen Wurzeln, Sawsan Chebli, wurde deutlich: «Phrasen wie ‹Das hat nichts mit uns zu tun› müssen endlich aufhören. Islamisten morden im Namen des Islam.» Umso peinlicher sticht vor diesem Hintergrund das gesammelte Stammeln der Kirchen hervor.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing aus Limburg, teilte seine «Trauer» und sein «Entsetzen» mit und gab eine politische Moral zum Besten, in der weder das Wort «Islam» noch das Wort «katholisch» Platz fand: «Europa war und ist ein grosses Projekt des friedlichen Zusammenlebens. Diese Vision dürfen wir uns von Attentaten nicht zerstören lassen.» Wer ist «wir»? Und wer hat konkret den Frieden gestört? Ein Islamist war es, der christliche Gläubige ermordete. Bätzing will vom Generalangriff auf seine eigene Religion nichts wissen und relativiert ihn so.

Sein Amtskollege aus Bamberg, Ludwig Schick, rückt der Täter-Opfer-Umkehr einen beherzten Schritt näher, wenn er verlautbart: «Ohne Religionsfreiheit wird menschliches Leben fundamental beschädigt. Auch die Religionen müssen sich Freiheit und Toleranz gewähren. Beleidigungen von Religionen sind auszuschliessen.» Ein katholischer Bischof ruft christlichen Mordopfern hinterher, man solle eben auch den Islam nicht beleidigen. Ist die geköpfte Frau für Schick das nachvollziehbare Resultat einer Schmähung des Islam, deren sich zuvor irgendjemand schuldig gemacht hat? Mit einer solchen Drehung ins Aberwitzige beleidigt der Bischof letztlich die Opfer. ... NZZ

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