Der Präsident der Phrasen - oder
Nicht die hellste Kerze im Schluss Bellevue
In seiner Rede im Thomas-Mann-Haus 2018 meinte Steinmeier, der Weg des Schriftstellers vom Autor der „Betrachtungen eines Unpolitischen“ zum Verteidiger der Demokratie lehre ihn, den Bundespräsidenten, „Demut“. Das bleibt wie alles bei Steinmeier eine rhetorische Pappfigur. Einen „Präsident der Phrasen“ hatte ihn die „Neue Zürcher Zeitung“ vor einiger Zeit genannt. Spätestens seit seiner Einheitsfeierrede reicht diese Kennzeichnung nicht mehr. Er ist auch der Präsident der Geschichtsverdrehung, des agitatorischen Eifers, des Ressentiments. Einer, der es fertigbringt, über die Vereinigung von 1990 zu sprechen, ohne dabei den Namen Helmut Kohls auch nur zu erwähnen. Im Bundespräsidialamt arbeiten auch kundige, gebildete Beamte. Schämen sie sich manchmal für diese Figur an der Hausspitze?
Und in den großen Redaktionen des Landes: Warum schneidet dort keiner diesen Sulz aus Geschichtsschinderei und bräsiger Selbstbestätigung in Scheiben? Weil das, wie wahrscheinlich jemand am Konferenztisch steinmeieresk mahnt, nur wieder Wasser auf den Mühlen der Falschen wäre?
„Die öffentliche Meinung ist oft von großer Langmut gegenüber mangelnder Sorgfaltspflicht im Umgang mit Fakten, und die Demokratie ist es auch: Man darf alles meinen und glauben, allerdings kann und sollte man nicht erwarten, dass das folgenlos bleibt“, redete Steinmeier kurz nach seiner Einheitsfeieransprache vor Führungskräften des Springer-Verlags.
Für ihn bleibt es folgenlos. Um auf den Eingangs zitierten Politiker zurückzukommen: Bei Steinmeier können sich alle sicher sein, dass er weiter das Kaiserreich, Trump, die Opposition und alle Selbsternannten kritisieren wird, aber nie ein Wort fallen lässt, mit dem er das Juste Milieu im Regierungsviertel verärgern könnte. Schließlich möchte er wiedergewählt werden.
Er kann noch
so viele falsche, schiefe und groteske Sätze sagen – etwas in diesem Sinn
Falsches sagt er nie. (Tichy)
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