Montag, 15. Juni 2020

15.06.2020 - Pustekuchen

Was stört, muss weg
... Es ist der Geist, den der Schriftsteller Nathaniel Hawthorne als puritanischen Verfolgungsgeist bezeichnete; ein Geist, dem einst Indianer und Hexen zum Opfer fielen und der weiterhin alarmistisch bezichtigt und scheinheilig verfemt. Nur der Wahrheit mag er nicht dienen, die nie schwarz oder weiss ist und deren Kontur allenfalls in der Debatte wahrnehmbar werden kann, aber nicht im Totschweigen.
So war es auch, als kürzlich in Richmond, Virginia, eine Statue von Christoph Columbus in den Teich eines öffentlichen Parks geworfen wurde: Was stört, muss weg. Oder als der Chefredaktor des «Philadelphia Inquirer» zurücktreten musste, weil er der Veröffentlichung eines Artikels des Architekturressorts zugestimmt hatte, der mit dem Titel «Buildings Matter, too» in respektloser Weise auf «#BlackLivesMatter» angespielt hatte.
Ausmerzen, wegmachen, statt die Konfrontation und den Austausch zu suchen. Aber die Demokratie, sie braucht doch die Öffentlichkeit, die Debatte, den Konflikt? Pustekuchen!, schreit die innere Stimme beim Anblick der von Hashtags und selbstgerechten Anklagen dominierten Medien in einem Amerika, das seine Geschichte lieber ins Wasser wirft, statt sich mit ihr auseinanderzusetzen und zu sagen: Ja, so war es halt. Machen wir es besser. Aber zusammen. (NZZ)

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