Samstag, 6. Juni 2020

06.06.2020 - Antifa

Die RAF ist tot. Es lebe die Antifa?
Die Befreiung aus dem Gefängnis von Andreas Baader vor fünfzig Jahren begründete die Rote-Armee-Fraktion (RAF). Was in Revolutionsromantik begann, terrorisierte die BRD über drei Jahrzehnte. Linksradikalen Terror gibt es bis heute. ...
Es gab damals in der Bundesrepublik die grosse schweigende Mehrheit, die nicht auf der Seite der 68er-Bewegung oder gar auf der Seite der RAF, des bewaffneten Kampfes in der Bundesrepublik, stand. Die überwältigende Mehrheit der Bürger, vor allen Dingen die arbeitende Bevölkerung, fühlte sich von Terror und Gewalt, von Stadtguerilla und Revolution wenig angezogen und schaute irritiert und auch ein wenig paralysiert auf das Modephänomen «Terrorismus»: «High sein, frei sein, ein bisschen Terror muss dabei sein.» Die schweigende Mehrheit, das waren in den Augen der jungen pop-kommunistisch Bewegten, die sich an Che Guevara, an Ho Chi Minh und ganz besonders an Mao Zedong als revolutionärem Umwälzer orientierten, allerdings die «Spiesser», die es zu bekämpfen galt.
Besonders die sogenannten Linksintellektuellen, Subkulturelle und etablierte Künstler, vom Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger bis zum Rechtsanwalt und Sänger Franz Josef Degenhardt, vom Theaterintendanten Claus Peymann bis zum Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, wurden sehr schnell zu allenfalls semikritischen Verbreitern der 68er-RAF-Ideologie. Sie waren damals mit ihrer Meinung allgegenwärtig, besonders in den Boom-Medien mit Millionenauflage wie dem «Spiegel», dem «Stern» und der «Zeit», aber auch in den damals mächtigen öffentlichrechtlichen Fernsehsendern. Auch viele Journalisten wurden zu gierigen, distanzlosen Berichterstattern der RAF. Zugleich funktionierten Reportagen über die RAF fast wie eine True-Crime-Serie, die dem Publikum Taten, Täter und Tote beinahe in Echtzeit präsentierten. … (NZZ)

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