Medien-Konkurrenz
Es ist eine Todsünde des Journalismus, den Leser intellektuell zu unterschätzen und deswegen intellektuell zu unterfordern. Die Berichterstattung über Verschwörungstheorien ist dafür ein Paradebeispiel: Aluhutträger, Gesundbeter und Reptiloid-Fans stehen nicht weit entfernt von legitimen Demonstranten und seltsamen «Wahrheitssuchern». Nach dem Wutbürger und dem Covidioten kommen wohl bald der «Freiheitsspinner» und der «Grundrechtsquerulant», falls noch jemand ein Framing in diese Richtung suchen sollte. Ein Leitartikler des «Spiegels» stellte einigen Demonstranten per Ferndiagnose das Attest aus, sie gehörten eigentlich in die Psychiatrie. Gewagte Worte aus der Relotius-Redaktion.
Geht es wirklich nur um die Bekämpfung von Bullshit oder vor allem um eine Imagepolitur der Medien, denen die Leser abhandenkommen? Ja, Ken Jebsen hat im Video «Gates kapert Deutschland» Fehler gemacht und diese auch eingeräumt. Doch der grösste Fehler, den Ken Jebsen wohl begangen hatte, war, gut drei Millionen Klicks für dieses Video auf Youtube bekommen zu haben. Er betreibt mit KenFM das grösste alternative Medienportal im deutschsprachigen Raum. Er ist also nicht nur ein gesellschaftliches Phänomen, das man mit allem Recht medial kritisch beäugen darf. Er ist auch ein Konkurrenzunternehmen. Hier kämpft auch eine alte Branche gegen eine neue: Die Telefonzellenbetreiber warnen vor der Gefährlichkeit des Mobilfunks. … (NZZ)
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