Samstag, 9. Mai 2020

09.05.2020 - Palmer

Die grün-viktorianischen Gouvernanten
Die Grünen waren mal eine diskussionswütige Partei, in der Worte und auch Farbbeutel flogen. Sie haben sich untereinander zerfleischt und bekriegt. Nicht immer ging es dabei nur um die Sache. Aber sehr oft doch. Heute dominiert offenbar die Wut über die Diskussion. Womöglich hätten sich früher auch ein paar Grüne mehr die Zeit genommen, sich das ganze Sat.1-Interview mit Palmer anzuhören – oder wenigsten die 53 Sekunden, die es kostet,
um Palmers komplette Antwort auf die Frage mitzukriegen, was er denn von Wolfgang Schäubles Aussage halte, nicht alles sei dem Schutz des Lebens unterzuordnen – einer, wenn man so will, unangreifbaren, allgemeinen Schwurbelvariante der Palmer-Äußerungen. Sie hätten dann das gehört:
"Ich glaube, dass es ihm darum geht, dass wir alle irgendwann mal sterben und auch das Grundgesetz das nicht verhindern kann. Und wenn Sie die Todeszahlen anschauen durch Corona, dann ist es bei vielen so, dass eben Menschen über 80 insbesondere sterben, und wir wissen: Über 80 sterben die meisten, irgendwann. Also ist Corona nicht wie Ebola eine Krankheit, die 20-Jährige mitten aus dem Leben reißt, sondern tödlich ist sie für hochaltrige Menschen, fast ausschließlich. Und insoweit müssen wir abwägen. Ich sag's Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären, aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen, aber die weltweiten Zerstörungen der Weltwirtschaft sorgen nach Einschätzung der UNO dafür, dass der daraus entstehende Armutsschock dieses Jahr eine Million Kinder zusätzlich das Leben kostet. Da sieht man: Es (der shutdown; die Red.) ist ein Medikament mit Nebenwirkungen, wir müssen es richtig dosieren." (Stern)

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