Samstag, 4. April 2020

03.04.2020 - Schwester Erde

Papst: Schwester Erde schlägt zu
Schon in der Überschrift wird das Coronavirus als „unlikely ally“, als „unerwarteter Verbündeter“ der Erde gepriesen. Es folgt ein Lobgesang auf den „unbeabsichtigten Nutzen“, den der Ausbruch der Pandemie dem Planeten beschere.
An allerlei Beispielen, zusammengeklaubt aus Medienberichten über reduzierte Umweltverschmutzung dank Shutdown in aller Welt, meint der Autor zeigen zu können, wie die „Reduzierung menschlicher Aktivität“ dazu beitrage
, dass jetzt „die Erde heilt“.
In Venedig schwömmen wieder Fische in den Kanälen, Zugvögel und Schwäne glitten über die Wasserwege. Die Fische waren freilich schon vorher in den Kanälen, nur sah man sie kaum, weil die vom Schiffsverkehr aufgewühlten Sedimente das Wasser trübten; und auch Schwäne sind gewiss keine Neuigkeit in der Lagunenstadt.
Verfasst hat den Artikel Benedict Mayaki, ein junger nigerianischer Jesuit, der vor knapp zwei Jahren in Lagos zum Priester ordiniert wurde und seit einem halben Jahr bei der englischsprachigen Sektion der „Vatican News“, der offiziellen Medienseite des Vatikans, tätig ist. Erschienen ist der Beitrag am 30. März. Tags darauf verschwand er wieder. ....
Von einem Abweichen von der „redaktionellen Ausrichtung“ der umfassenden Medienoperation des Vatikans unter Papst Franziskus kann jedoch nicht die Rede sein. Der junge Jesuit aus Nigeria zeigt sich im Gegenteil als Musterschüler des Jesuiten Franziskus, dessen Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ er in seinem in Ungnade gefallenen Artikel eifrig zitiert. Zustimmend erwähnt Mayaki den Absatz aus der Enzyklika vom „Stöhnen der Schwester Erde“, die von uns Menschen „niemals so schlecht behandelt und so verletzt“ worden sei „wie in den letzten beiden Jahrhunderten“. Kann es da überraschen, wenn die misshandelte „Schwester Erde“ irgendwann zurückschlägt?
Und hatte nicht Franziskus selbst in seinem Interview mit dem spanischen Journalisten Jordi Évole vom 22. März davon gesprochen, dass die Coronavirus-Pandemie so etwas sei wie der „zornige Weckruf der Natur, damit wir uns endlich um die Natur kümmern“? Vorzuwerfen ist dem jungen Jesuiten allenfalls, dass er in einer Art intellektueller Kurzschlusshandlung von der „Schwester Erde“ auf den „Bruder Virus“ kam und dabei das Sterben von Zehntausenden und den wirtschaftlichen Ruin von Millionen als bloßen Kollateralschaden auf dem Weg zum Heil(en) der Natur deklarierte. (FAZ)

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