Papst: Schwester Erde schlägt zu
Schon in der Überschrift wird das
Coronavirus als „unlikely ally“, als „unerwarteter Verbündeter“ der Erde
gepriesen. Es folgt ein Lobgesang auf den „unbeabsichtigten Nutzen“,
den der Ausbruch der Pandemie dem Planeten beschere.
An allerlei
Beispielen, zusammengeklaubt aus Medienberichten über reduzierte
Umweltverschmutzung dank Shutdown in aller Welt, meint der Autor zeigen
zu können, wie die „Reduzierung menschlicher Aktivität“ dazu beitrage, dass jetzt „die Erde heilt“.
In Venedig schwömmen wieder Fische in den Kanälen, Zugvögel und Schwäne
glitten über die Wasserwege. Die Fische waren freilich schon vorher in
den Kanälen, nur sah man sie kaum, weil die vom Schiffsverkehr
aufgewühlten Sedimente das Wasser trübten; und auch Schwäne sind gewiss
keine Neuigkeit in der Lagunenstadt.
Verfasst hat den Artikel
Benedict Mayaki, ein junger nigerianischer Jesuit, der vor knapp zwei
Jahren in Lagos zum Priester ordiniert wurde und seit einem halben Jahr
bei der englischsprachigen Sektion der „Vatican News“, der offiziellen
Medienseite des Vatikans, tätig ist. Erschienen ist der Beitrag am 30.
März. Tags darauf verschwand er wieder. ....
Von einem Abweichen von
der „redaktionellen Ausrichtung“ der umfassenden Medienoperation des
Vatikans unter Papst Franziskus kann jedoch nicht die Rede sein. Der
junge Jesuit aus Nigeria zeigt sich im Gegenteil als Musterschüler des
Jesuiten Franziskus, dessen Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ er in seinem
in Ungnade gefallenen Artikel eifrig zitiert. Zustimmend erwähnt Mayaki
den Absatz aus der Enzyklika vom „Stöhnen der Schwester Erde“, die von
uns Menschen „niemals so schlecht behandelt und so verletzt“ worden sei
„wie in den letzten beiden Jahrhunderten“. Kann es da überraschen, wenn
die misshandelte „Schwester Erde“ irgendwann zurückschlägt?
Und
hatte nicht Franziskus selbst in seinem Interview mit dem spanischen
Journalisten Jordi Évole vom 22. März davon gesprochen, dass die
Coronavirus-Pandemie so etwas sei wie der „zornige Weckruf der Natur,
damit wir uns endlich um die Natur kümmern“? Vorzuwerfen ist dem jungen
Jesuiten allenfalls, dass er in einer Art intellektueller
Kurzschlusshandlung von der „Schwester Erde“ auf den „Bruder Virus“ kam
und dabei das Sterben von Zehntausenden und den wirtschaftlichen Ruin
von Millionen als bloßen Kollateralschaden auf dem Weg zum Heil(en) der
Natur deklarierte. (FAZ)
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