Samstag, 7. März 2020

07.03.2020 - D-Mark

Der dritte Sozialismus 
«Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!», war eine Parole, die viel grössere Überzeugungskraft besass als die Idee, die beste DDR der Welt nun aber wirklich zur besten Gesellschaft aller Zeiten umzugestalten, trotz drohender Staatspleite.  
«Einen dritten Sozialismus überlebe ich nicht», stöhnte ein älterer Mann bei einer öffentlichen Diskussion im Wendeherbst 1989. Nationalsozialismus und «real existierender Sozialismus» waren schlimm genug gewesen. 
Natürlich wirken westliche Gesellschaften besonders auf gelernte DDR-Bürger oft absurd, gar historisch überholt und dekadent. Aber das ist ein alter Hut. Schon Hannah Arendt schrieb beispielsweise 1958 in ihrem Werk «Vita activa oder Vom tätigen Leben», dass die Neuzeit den Gemeinsinn entthront habe und in ihr «ein Menschentyp triumphiere, der im blossen Arbeits- und Konsumvorgang sein Genügen» finde. 
«Im Arbeiten und Konsumieren ist der Mensch völlig auf sich selbst zurückgeworfen, das Konsumieren tritt an die Stelle aller relevanten Tätigkeiten», so Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus. Dies gilt auch für das Konsumieren von Musik der Gruppe Rammstein, die in ihrem Online-Shop T-Shirts mit dem Aufdruck «Manche führen – manche folgen» anbieten. 
Als Ostdeutscher wollte Christian «Flake» Lorenz nicht unterworfen werden, von seinen Fans aber fordert er dies. Gemeinhin nennt man das Scheinheiligkeit. 

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