Der dritte Sozialismus
«Kommt die D-Mark,
bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!», war eine Parole, die viel
grössere Überzeugungskraft besass als die Idee, die beste DDR der Welt nun aber
wirklich zur besten Gesellschaft aller Zeiten umzugestalten, trotz drohender
Staatspleite.
«Einen dritten Sozialismus
überlebe ich nicht», stöhnte ein älterer Mann bei einer öffentlichen Diskussion
im Wendeherbst 1989. Nationalsozialismus und «real existierender Sozialismus»
waren schlimm genug gewesen.
Natürlich wirken
westliche Gesellschaften besonders auf gelernte DDR-Bürger oft absurd, gar
historisch überholt und dekadent. Aber das ist ein alter Hut. Schon Hannah
Arendt schrieb beispielsweise 1958 in ihrem Werk «Vita activa oder Vom tätigen
Leben», dass die Neuzeit den Gemeinsinn entthront habe und in ihr «ein
Menschentyp triumphiere, der im blossen Arbeits- und Konsumvorgang sein
Genügen» finde.
«Im Arbeiten und Konsumieren ist der Mensch völlig auf sich
selbst zurückgeworfen, das Konsumieren tritt an die Stelle aller relevanten
Tätigkeiten», so Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus. Dies gilt auch für das Konsumieren von Musik der
Gruppe Rammstein, die in ihrem Online-Shop T-Shirts mit dem Aufdruck «Manche
führen – manche folgen» anbieten.
Als Ostdeutscher wollte Christian «Flake»
Lorenz nicht unterworfen werden, von seinen Fans aber fordert er dies.
Gemeinhin nennt man das Scheinheiligkeit.
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