Einzelgänger
Manchmal wäre es besser, man hielte einfach den Mund. Aber nach dem Massenmord in Hanau wird kein Mund gehalten. Es wird geschrien: Vor Schmerz, vor Zorn, vor Hass, vor Dummheit. Nirgends ein Gedanke, der über die vorhandenen stereotypen Erklärungen hinaus reichte.
Wer das Falsche sagt, ist rechts. Wer rechts ist, sagt das Falsche. Wer aber nichts sagt, liegt erst recht falsch. Heißt es doch, wir dürften jetzt nicht schweigen. Von der Hysteriespirale wird alles mitgerissen.
Jeder Satz, der nun fällt, kann falsch verstanden werden. Entscheidend ist nur, wer was hinein lesen will. Beispiel: Der Täter ist geistesgestört. Schon die Feststellung dieser allgemein akzeptierten Tatsache kann zu Lasten des Sprechenden interpretiert werden. Er hat sich dem Vorwurf zu stellen, mit seinem Satz die Ungeheuerlichkeit eines Massenmords zu relativieren, einen aufgehetzten Rassisten als Einzelgänger zu verharmlosen....
Dr. Wolfgang Herles
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen